Chronik des TSV 08 Grävenwiesbach e.V.
von Rudolf Hardt, Walter Lauth, Konrad Sauer, Harald Geis und Jens Herrmann
Es war am 10. Juli des Jahres 1908, als sich eine Anzahl turn- und sportfreudiger Grävenwiesbacher unter Führung des damaligen Lehrers Eckhardt zusammenfanden und den "Turn- und Spielklub" gründeten. Als Vorsitzender wurde Lehrer Eckhardt und als Turnwart Wegemeister Richter gewählt. Der junge Verein hatte große Schwierigkeiten zu überwinden. Vor allem fehlte es an Geld für die Beschaffung der nötigsten Turngeräte. Nur durch die Opferfreudigkeit der Mitglieder und einiger interessierter Dorfbewohner war es bald möglich, die ersten Geräte, Bälle, ja sogar Trommeln und Pfeifen anzuschaffen. Im Jahre 1909 schloss sich der Verein der großen Turnerorganisation, der damaligen Deutschen Turnerschaft, an und gehörte seit diesem Jahr zum Feldberggau. Die Versetzung des Lehrers Eckhardt im Jahre 1910 bedingte einen Wechsel in der Vereinsleitung.
Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Herr Richter gewählt, der bis 1914 dieses Amt bekleidete. Im gleichen Jahr trat der Verein zum ersten Male an die Öffentlichkeit, und zwar auf den Turnfesten in Petterweil und Obernhain. Auf ersterem nahm als einziger Turner Karl Born III teil und kehrte, mit dem Eichenkranz geschmückt, als Sieger heim, wo ihm ein begeisterter Empfang bereitet wurde. Vom Fest in Obernhain kamen zwei Turner als Sieger zurück: Karl Born III und Otto Velte. Diese ersten Erfolge spornten die übrigen Turner zu großen Aktivitäten an.
Im Jahre 1913 änderte der Verein seinen Namen und hieß von da an "Turn- und Spielverein". Er kaufte den Platz "Zwischen den Steinchen" und benutzte ihn als Turnplatz. 1914 wurde Herr Richter versetzt und als neuer Vorsitzender lenkte Oswald Wick die Geschicke des Vereins bis zum Jahre 1927.
Durch den 1. Weltkrieg wurde das turnerische Leben völlig lahm gelegt. Acht Mitglieder des "Turn- und Spielvereins" waren aus dem Völkerringen nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt. Ihnen zur Ehre und zum Gedenken hat der Verein im Jahre 1921 auf dem Turnplatz ein Denkmal gesetzt, das 1960 durch zwei Marmortafeln erweitert wurde, die die Namen der Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges tragen.
Die finanzielle Lage des Vereins gestaltete sich nach dem Kriege immer schwieriger. Durch die Inflation war der Kassenbestand geschwunden und die Gelder zur Erstellung einer Turnerhütte auf dem Sportplatz wurden - so berichtet die Chronik - durch Roggenspenden flüssig gemacht. Langsam regte sich wieder die Lust am Turnen und Spielen, und nur zögernd lief wieder ein geregelter Übungsbetrieb an. Besonderes Interesse wurde dem Fußballspiel entgegengebracht und die Anhänger dieser Sportart schlossen sich im Jahre 1919 im Fußballklub "Wiesingia" zusammen.
Das Jahr 1924 brachte für den Verein einen Höhepunkt: Der Vorstand des Feldberggaues übertrug ihm die Ausrichtung des Gauturnfestes in Grävenwiesbach. Leider hatte das Fest unter der ungünstigen Witterung stark zu leiden. Bei dieser Veranstaltung hatte sich der Turnplatz als zu klein erwiesen und man beabsichtigte eine Erweiterung. Aber die Eigentümer des angrenzenden Geländes gaben die erforderlichen Flächen nicht ab und so scheiterte der Plan. Erst bei der Flurbereinigung wurde der notwendige Boden für die Erweiterung des Sportplatzes zur Verfügung gestellt und so konnte im Mai 1949 der vergrößerte Sportplatz seiner Bestimmung übergeben werden.
Das Jahr 1925 stand im Zeichen besonders reger turnerischer Arbeit und der Erfolg blieb nicht aus: Auf dem Gauturnfest in Westerfeld errangen sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Eichenkranz. Vor allem war es die Damenriege, die hier ihre Feuerprobe glänzend bestand. Einen abermaligen Wechsel in der Vereinsleitung brachte das Jahr 1927, in dem Otto Velte zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Unter seiner Leitung besuchten unsere Turner das Deutsche Turnfest in Köln. Dies war für alle ein besonders eindrucksvolles Erlebnis und ließ die Begeisterung für das Turnen wieder aufflammen.
Dann folgte die Zeit des 3. Reiches. Der gesamte Turnbetrieb kam zum Erliegen. Die Geräte wurden sichergestellt und es dauerte viele Jahre, ehe sie wieder benutzt werden durften.
Der 2. Weltkrieg schlug unserem Verein tiefe Wunden: 18 Mitglieder sind gefallen und 13 werden vermisst. - Bald nach dem Zusammenbruch 1945 begann sich überall wieder sportliches Leben zu regen. Bei uns in Grävenwiesbach war es zunächst der Fußballsport, der die jungen Leute auf das Sportfeld zog. Ende 1945 gelang es dem damaligen 1. Vorsitzenden des Fußballklubs "Wiesingia", Karl Knörr, die vorgeschriebene Lizenz für die Ausrüstung dieses Sportes von der dafür zuständigen amerikanischen Militärdienststelle in Usingen zu erhalten.
Am 1. Dezember 1945 vereinigten sich der "Turn- und Spielverein" und der Fußballklub "Wiesingia" zum "Turn- und Spielverein 08" (TSV 08).
Zum 1. Vorsitzenden wurde Karl Knörr gewählt. Zielstrebiges Training, großer Idealismus und unermüdlicher Einsatz aller Beteiligten führten zu einer erheblichen Leistungssteigerung auf allen Gebieten. Von den Sparten Turnen, Leichtathletik und Fußball war es vor allem die Fußballabteilung, die dem Namen des TSV 08 weit über die Grenzen des Kreises hinaus Achtung verschafft hat.
Durch die Vertreibung von Millionen von Deutschen aus den Ostgebieten nach Westdeutschland und die Umsiedlung vieler Bürger kam es, dass in unseren Mannschaften Einheimische gemeinsam mit Ost- und Westpreußen, mit Schlesiern, Berlinern, Thüringern, Sudeten-, Süd- und Norddeutschen Fußball spielten. Dem damaligen 1. Vorsitzenden Dr. Georg Lutz gelang es immer wieder, qualifizierte Spieler zu werben, die zuvor in großen und bekannten Vereinen gespielt hatten. Hier sei des erstklassigen Spielers Sepp Zapf von "Dukla" Prag gedacht, der mit seinen Mitspielern unsere Mannschaft auf ein hohes Niveau brachte.
Der Turnplatz am "Steinchen" und der Fußballplatz in der "Schmidtgesheck" genügten nun nicht mehr den an sie gestellten Anforderungen, um vielseitige sportliche Betätigungen durchführen zu können. Der genannte Fußballplatz lag fast 2 km vom Dorf entfernt und war eigentlich nur ein Stück Heideland, bestanden mit Gras, Erika und Ginster. Es war schön, wenn Spieler und Zuschauer mit Gesang zu ihm hin marschierten.
In wochenlangen, täglichen Arbeitseinsätzen brachten es 1948/49 der Vereinsvorstand mit dem 1. Vorsitzenden Walter Lauth, etwa 30 Aktiven und einigen Passiven fertig, mit Gespannpflügen und Traktoren, mit Rasenschälern und Schaufeln, die rund 4000 qm des Spielfeldes abzuschälen und damit eine meterhohe Umrandung anzulegen. Dieses Spielfeld glich bei Trockenheit einem guten Fußballplatz, aber bei Regen einem weichen, tiefgründigen Acker. Einen besonderen Dank gilt den 1. Vorsitzenden Dr. Lutz 1948, Walter Lauth 1949-1950 und Albert Wolf 1951-1953, die den Verein in diesen schwierigen Nachkriegsjahren führten.
1954 wurde Karl Gruber zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Unter seiner Führung erlebte die Fußballabteilung ab 1954 einen enormen Aufschwung, der dem 1. Vorsitzenden Karl Gruber, dem Abteilungsleiter Erich Blum 1954-1955, 1964-1968, den Spielausschussmitgliedern Edwin Schopf (ab 1968 Spielausschussvorsitzender) Gerhard Pauly, Adolf Cimander, Robert Garth, Adolf Lehr zu verdanken war. Durch Heiratszugänge Friedel Wust (Fußballabteilungsleiter 1962, 1965-1967), Wilhelm Wirth, Ernst Niederhäuser, Klaus Lisson, Willi Zaborski, Helmut Fischer, Bodo Mauthe, Ewald Pauly, Adolf Lehr (Fußballabteilungsleiter 1975 - 1980), gewann die Mannschaft enorm an Spielstärke.
1959 gelang der I. Seniorenmannschaft der Aufstieg als Tabellenzweiter von der C- in die B-Klasse. Durch die unermüdliche und vorbildliche Arbeit des Spielausschussvorsitzenden Edwin Schopf konnte in der Saison 1960 - 1961 der Kapitän der Hessenauswahl Harry Wandelt als Spielertrainer verpflichtet werden. Unter seiner Führung feierte der TSV 08 1962 erstmals die B-Klassenmeisterschaft, was den Aufstieg in die A-Klasse bedeutete, wo sich die Mannschaft über sieben Jahre hervorragend behaupten konnte.
Um 1960 bildete sich eine Leichtathletikgruppe, die über die Kreisgrenzen hinaus hervorragende Ergebnisse erzielen konnte. Abteilungsleiter von 1961 - 1973 Walter Lauth, 1974 - 1981 Hans Wegehenkel.
Gleichermaßen hatte sich eine Turnerriege zusammengefunden, die unter der Leitung des Turnwarts Willi Löw mit Schauturnen bei Festen begehrt war. Mit Günter Löw und Peter Wagner stellte diese Riege zwei 10 Kampf-Gaumeister, welche die Ausnahmestellung dieser Turnerriege im Kreis Usingen, auch Leistungsmäßig darstellte.
Frau Wilhelmine Geis gab Gymnastik- und Turnunterricht für Mädchen und Frauen.
In dieser Blütezeit des Vereins fand 1963 das 16. Gauturnfest auf unserem Sportplatzgelände statt. Leider regnete es von der Eröffnung bis zum Kehraus. Bei dieser Veranstaltung zeigte sich erneut, dass eine Erweiterung des Sportplatzes am "Steinchen" dringend notwendig war.
Dank des Entgegenkommens der für den Sport sehr aufgeschlossenen Gemeindegremien, des Einsatzes des sportbegeisterten Bürgermeisters Karl Gruber und der termingerechten Arbeit der Baufirma Ohly konnte im Jahre 1964 ein großzügiger Ausbau des Sportplatzgeländes durchgeführt werden, so dass hier eine der schönsten Sportanlagen im weitem Umkreis entstand. Im gleichen Zuge wurden ein Festplatz und geräumige Parkplatzflächen entlang der Industriestraße geschaffen. Weiterhin wurden zwei Baracken aufgestellt, um den Sportlern Umkleide- und Aufenthaltsmöglichkeiten zu bieten. Die Baracken wurden von der Flughafen-AG Frankfurt erworben. Der Ab- und Aufbau und der Transport nach Grävenwiesbach erforderten großen Einsatz der Mitglieder.
Trotz der großartigen Erfolge hatten die Leichtathleten, Turner, die Mädchen- und Frauenabteilungen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Bei schlechtem Wetter und in den Wintermonaten kam der Übungsbetrieb der Turner, der Leichtathleten und der um Frau Geis gescharten Mädchen und Frauen fast völlig zum Erliegen. In unzureichenden Räumen, in den Sälen der hiesigen Gastwirte, im Keller der Schule und in der Jugendherberge wurde versucht, Trainingsstunden abzuhalten, um nicht völlig unvorbereitet in die Sommersaison eintreten zu müssen. Die trotz dieser misslichen Umstände erzielten schönen Erfolge unserer Leichtathleten auf den Wettkampfbahnen vieler befreundeter Vereine und die gekonnten Vorführungen unserer Kinder- und Frauengruppen verdienen eine um so höhere Anerkennung. Wir sind dankbar, dass es den Übungsleitern trotz aller Schwierigkeiten gelang, den Fortbestand dieser Sportabteilungen zu sichern, obwohl sich eine Beseitigung der Raumnot nicht abzeichnete. Der hervorragende und unermüdliche Einsatz des 1. Vorsitzenden Karl Gruber in diesen Jahren, dem der Verein sehr viel zu verdanken hat, wurde durch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen seitens des TSV 08 sowie auch von höherer Ebene gewürdigt. Auch als Bürgermeister unserer Gemeinde fühlte er sich dem Verein aufs engste verbunden und setzte sich für ihn tatkräftig ein.
1964 übernahm Rolf Stehning das Amt des 1. Vorsitzenden (1963 Abteilungsleiter Fußball) und führte den TSV 08 mit großer Umsicht auf dem begonnenen Weg weiter. Als neue große Aufgabe für den Verein und für ihn stand eine nochmalige Erweiterung des Sportplatzes bevor, die als Ziel ein den Normen entsprechendes Spielfeld hatte. Dieses Unternehmen konnte im Jahre 1968 durch eine großzügige Beteiligung an den Kosten seitens des Landes Hessen, des Kreises, sowie der Gemeinde und mit Eigenleistungen des Vereins durchgeführt werden. Dem damaligen Landrat Dr. Thierbach gelang es, eine amerikanische Pioniereinheit zu verpflichten, die mit ihren schweren Geräten beachtliche Arbeit leistete.
Den endgültigen Ausbau vollzog danach die Firma Ohly. Das Spielfeld wurde verlängert, verbreitert und geebnet, und der Abraum zur Aufschüttung des heutigen Festplatzes verwendet. Auch die Parkplätze wurden vergrößert. Zuvor war das Gelände an das Wasser- und Stromnetz der Gemeinde angeschlossen worden.
In Selbsthilfe der Mitglieder und durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde wurde ein massives Gebäude zum Umkleiden und Duschen errichtet. Seit dieser Zeit bieten unser schöner Sportplatz und seine Umgebung das Bild, das wir heute kennen. Das mit der Platzeinweihung verbundene Fest des 60jährigen Jubiläums des Vereins im Juli 1968 wurde ein großer Erfolg und führte allen Gästen vor Augen, was ein zielstrebiger Verein zu leisten imstande ist.
Da der 1. Vorsitzende Rolf Stehning geschäftlich sehr stark in Anspruch genommen war, stellte er sein Amt 1970 zur Verfügung und die Generalversammlung wählte Helmut Reitz zu seinem Nachfolger. In diesem Jahr wurde von den Mönstädter Frauen unter Leitung von Renate Spahn (1970-1976) eine Gymnastikabteilung gegründet, die sich unserem Verein anschloss und sich ständig vergrößerte.
Das Jahr 1972 brachte dem Verein endlich die Lösung eines der schwersten Probleme: Im Zuge des Neubaues der Mittelpunktschule Grävenwiesbach wurde auch eine Turnhalle erbaut. Nun konnte der Verein den größten Teil seines gesamten Übungsbetriebes in die große, lichte Halle verlegen. So kam neuer Schwung in die vielfältige sportliche Arbeit. Die Inbetriebnahme der Turnhalle führte dazu, dass ab 1974 ein weiterer Sport ausgeübt werden konnte: Die neu gegründete Tischtennisabteilung unter Leitung des Abteilungsleiters und maßgeblichen Gründungsmitglieds Harald Milk (von 1975-1988) entwickelte sich sehr positiv und machte in verhältnismäßig kurzer Zeit von sich reden. Spieler aller Altersklassen beiderlei Geschlechts übten seitdem voller Begeisterung an den Tischtennisplatten und konnten schon beachtliche Siege bei Verbandsspielen nach Hause bringen. Durch einen grandiosen Aufstieg schaffte es die Herren-Seniorenmannschaft von Jahr zu Jahr in eine höhere Klasse aufzusteigen bis in die Bezirksklasse.
Nach vier Jahren erfolgreichen Wirkens trat Helmut Reitz als 1. Vorsitzender zurück, und zum zweiten Male wurde Rolf Stehning an die Spitze des Vereins gewählt. Im Vereinsleben gab es keinen Stillstand. Immer neue Aufgaben mussten gemeistert werden. Ständig wurde darauf geachtet, dass die vorhandenen Anlagen und Geräte gepflegt, verbessert und ergänzt wurden, um die Ausübung aller Sportarten zu fördern. Im Jahre 1976 ging ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung, denn die Spielfläche des Sportplatzes wurde eingesät und damit entstand eine Sportplatzanlage, die allen Anforderungen entspricht.
Jedoch muss dieser Rasenplatz ständig mit hohen Kosten gepflegt und gewartet werden. Mit der Stadt Rüsselsheim konnte vertraglich erreicht werden, dass der kleine Sportplatz an der Jugendherberge als Ausweichplatz genutzt wird. Es mussten jedoch wieder große Anstrengungen der Mitglieder unternommen werden, den Platz für Verbandsspiele herzurichten. Das Spielfeld wurde erweitert, eine Umkleidebaracke aufgestellt und eine Trainingsbeleuchtung installiert.
1978 schlossen sich die Fußball-Jugendabteilung des TSV 08 Grävenwiesbach und die Jugendmannschaft der SG Hundstadt zur Jugendspielgemeinschaft Grävenwiesbach - Hundstadt zusammen, weil die Zahl der jugendlichen Fußballspieler stark zurückging. Diese Spielgemeinschaft hat sich bewährt und schöne Erfolge errungen.
Die Aufrechterhaltung des Sportbetriebes, Neuanschaffungen und Ergänzungen und die vielen laufenden Ausgaben verursachen so hohe Kosten, dass sie allein durch die Mitgliedsbeiträge nicht abgedeckt werden können. Sehr früh musste sich der Verein daher nach weiteren Einnahmen umsehen. Sommernachtsfeste, Sportfeste, Maskenbälle, Ausrichtung der Kirmes, Rosenmontagsbälle, Fußballturniere, um nur einige der zahlreichen Veranstaltungen zu nennen, wurden gehalten, um den Kassenbestand aufzubessern. Sie erforderten ein Höchstmaß an Vorbereitungen und Arbeiten, aber es kann trotz sparsamster Haushaltung nicht auf sie verzichtet werden. Auch bei allen größeren Festen in der Gemeinde trug der TSV 08 seinen Teil zum Gelingen bei.
Die veraltete Gasheizung im Clubhaus wurde im Jahre 1978 durch eine Ölheizung ersetzt, damit Energie und Kosten gespart werden. Das Clubhaus musste für den Einbau der Ölheizungsanlage vergrößert werden. Im freiwilligen Einsatz der Mitglieder wurde diese Leistung erbracht. Von der Gemeinde wurde diese Maßnahme gefördert.
1979 konnte sich Rolf Stehning aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellen. Nach fast zwei Jahrzehnten unermüdlicher engagierter Arbeit für den Verein trat ein vorbildlicher 1. Vorsitzender ab. Der TSV 08 ehrte ihn mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und verlieh ihm seine höchste Auszeichnung, die "Goldene Ehrennadel in Eichenlaub".
1979 begann die Ära des 1. Vorsitzenden Walter Lewalter und somit eine neue Epoche tatkräftigen Schaffens mit viel Umsicht und Geschick.
Zu Beginn der 80er Jahre bildete sich durch Initiative von Michael Moses und einigen begeisterten Läuferinnen und Läufern die Abteilung Lauftreff, die den TSV über die Grenzen bis nach Berlin bei Cross- und Straßenläufen vertrat. Der alljährlich stattfindende Straßenlauf in Grävenwiesbach war zu den Höhepunkten in unserem Vereinsleben geworden.
Unvergessen ist das Jubiläumsfest 1983. Kein geringerer als die Bundesligamannschaft von Eintracht Frankfurt konnte für dieses Jubiläum in der Festwoche gegen eine erweiterte Bezirksauswahl engagiert werden. Ca. 2500 Zuschauer erlebten bei wunderbarem Wetter ein wahres Fußballfest. Der damalige Präsident der Eintracht, Herr Gramlich, war voll des Lobes über die überaus hervorragende Organisation. Der Festzug, der den Höhepunkt des kulturellen Vereinslebens darstellte, wurde durch starken Regen am Sonntag beeinträchtigt, was aber der Stimmung beim anschließenden Beisammensein im Festzelt keinen Abbruch tat.
In diesen Jahren erlebte die Fußballabteilung unter dem Abteilungsleiter Harald Geis (1980 -1990), dem Spielausschussvorsitzenden Armin Friedrich, den Spielausschussmitgliedern Bernd Jung, Bertram Becker, Wolfgang Vetter, Jürgen Bletz, Lutz Stehning und Wolfgang Lang sehr große Erfolge. Absoluter Höhepunkt der Saison 1989/1990 war die Erringung der Meisterschaft in der B-Klasse nach 27 Jahren.
1986 Aufstieg als Tabellendritter in die A Klasse. Der TSV 08 hatte in diesen Jahren hervorragende Mannschaften.
1985 wurde mit dem Anbau des Sportlerhauses begonnen, um einen Gastraum für die gastierenden Vereinsmannschaften zu bieten. Hier konnten die Mitglieder Armin Friedrich, Jürgen Garth für den Rohbau und Harald Geis für den Innenausbau, ihre Erfahrung dem Verein tatkräftig zur Verfügung stellen.
Die Leichtathletikabteilung erlebte unter den Abteilungsleitern Hans Wegehenkel (1974-1981) und Herbert Raschig (1985-1986) eine Renaissance. Jedoch gingen viele zum Lauftreff über, so dass ab 1987 der Lauftreff auch unter der Bezeichnung Leichtathletik im Verein seine Einstufung fand. Michael Moses wurde Leichtathletik-Abteilungsleiter ab 1982. Außerdem war er 1. Kassierer von 1979-1986.
Die Gymnastikabteilung entwickelte sich von Jahr zu Jahr mehr unter den Abteilungsleiterinnen Irma Bock (1977-1981) und Karin Pauly, die dieses Amt seit 1982 begleitet.
1988 trat Harald Milk als Tischtennisabteilungsleiter nach erfolgreichen Jahren zurück. Stefan Vetter war sein Nachfolger von 1989 - 1992.
1991 übergab Walter Lewalter die Vereinsleitung an den damaligen Fußballabteilungsleiter Harald Geis. Im gleichen Jahr beantragte der TSV 08 unter der Federführung von Kassierer Jens Herrmann (1991-1998) erfolgreich die Anerkennung als gemeinnütziger Verein durch das Finanzamt.
Walter Lewalter wurde Ehrenvorsitzender des TSV 08 Grävenwiesbach, Jahre zuvor hatte man schon Karl Gruber zum Ehrenvorsitzenden berufen. So hat der TSV 08 jetzt 2 Ehrenvorsitzende. Seit 1996 ist Walter Lewalter 1. Vorsitzender des Sportkreises Hochtaunus.
Harald Geis, der seit 1954 als 15jähriger in der 1. Mannschaft Fußball spielte und seither dem Verein immer treu geblieben ist, sei es als aktiver Sportler, als Jugendtrainer, als Trainer der Senioren, Schriftführer, Abteilungsleiter Fußball oder als jetziger 1. Vorsitzender legt sein besonderes Augenmerk auf die Förderung des Nachwuchses. Die Jugendspielgemeinschaft stellt mit ihrer Abteilungsleiterin Claudia Lewalter und den vielen Betreuern und Übungsleitern aus Grävenwiesbach den Hauptanteil. Mit mehr als 170 aktiven Jugendspielern, von denen die meisten dem TSV 08 angehören, wird hier ein Sportler-Potential geschaffen, das sich in den nächsten fünf bis 10 Jahren positiv bemerkbar machen wird.
1994 feierten wir 75jähriges Fußballjubiläum und 20jähriges Tischtennisjubiläum. Dieses Jubiläumsfest ist unvergessen, sei es durch die HR 3 Disco, den Steigerwäldern oder dem großen traditionellen Festzug.
Im Jahr 1992 verstarb unser letztes noch lebendes Gründungsmitglied und ehemaliger Vorsitzender Otto Velte kurz vor der Vollendung seines 100. Lebensjahres.
Die Ausrichtung der Festtage zum 90-jährigen Jubiläum im Jahr 1998 war eine große Herausforderung für unseren Verein - finanziell und organisatorisch. Mit den Kastelruther Spatzen hatten wir die erfolgreichste Volksmusikgruppe im deutschsprachigen Raum verpflichtet. Mit etwa 2.400 Besuchern war das 3000-Personenzelt auf dem Sportplatz zwar nicht vollbesetzt, dennoch konnten wir unser Fest in jeglicher Hinsicht erfolgreich gestalten. In guter Erinnerung bleiben auch die HR-Disco und der große Festumzug.
Nach über 40 Jahren aktiver Vereinsarbeit, davon 9 Jahre als 1. Vorsitzender, stellte sich Harald Geis 2000 nicht mehr zur Wiederwahl. Als Dank für seine Verdienste wurde Harald Geis zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zum Nachfolger wählte die Generalversammlung Michael Vetter, der bereits seit 1983 als 2. Kassierer und später als 2. Vorsitzender dem Vorstand angehörte.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends entstanden mit Fun-Ju und Tanzen neue Abteilungen in unserem Verein. Des Weiteren konnten wir unser Sportangebot für jung und alt erweitern. Die Gymnastikabteilung bot einen zweiten Übungstag an, der heute für die sehr erfolgreiche Rückengymnastik genutzt wird. Seit einigen Monaten bietet der TSV 08 zusätzlich eine Seniorengymnastik an. Unsere Jugendlichen können im "Sportsfun" neue Sportarten testen. Ein spezielles Angebot für Mädchen, eine Hipp-Hopp Tanzgruppe, wurde nach einem Jahr wieder eingestellt. Unsere Mitgliederzahl ist in dieser Zeit auf über 700 angestiegen.
Im Jahr 2002 erlebte der TSV 08 eine der bittersten Stunden der jüngeren Vereinsgeschichte: Eine Horde Wildschweine hatte ganze Arbeit geleistet und den Rasenplatz über Nacht in eine Mondlandschaft verwandelt.
Zwar gelang es durch großen Einsatz von Platzwart Matthias Stauf den Platz wieder notdürftig herzurichten, aber eine Grundsanierung war unumgänglich.
Im Jahr 2003 begann Michael Vetter mit der Planung einer neuen Rasendecke für den Sportplatz "Am Steinchen". Was zu Beginn aufgrund leerer öffentlicher Kassen eher Wunschdenken war, hatte sich schnell als realisierbar herausgestellt. Dank seinem Engagement und seiner Hartnäckigkeit konnte Michael Vetter einen Finanzierungsplan präsentieren, der die Zustimmung aller Vereinsgremien und öffentlichen Institutionen erhielt. Nach drei Jahren der Vorbereitung und Planung ging es trotz kleinerer zu überspringender Hürden plötzlich ganz schnell. Der TSV 08 war auf der Prioritätenliste des Landes Hessen ganz nach oben gerutscht, so dass 2006 mit dem Bau begonnen werden konnte. Ein Teil der Finanzierung erfolgte durch das Auffüllen und die Begradigung des Spielfeldes durch die Fa. Terrabau. Ein weiterer Teil der Finanzierung beinhaltete die Eigenleistung der Vereinsmitglieder, die u.a. zur Bewässerung der Rasenfläche in vielen Stunden eine Wasserleitung vom Ölmühlenstollen bis zum Sportplatz errichteten. Die Erstellung der Rasenfläche einschließlich der Be- und Entwässerung erfolgte durch die Fa. Rundel, für die Einzäunung des gesamten Geländes war die Fa. Rabe verantwortlich.
Der Sportplatzneubau ist für den TSV 08 die größte finanzielle Herausforderung der Vereinsgeschichte. Trotz öffentlicher finanzieller Unterstützung, einer Spendenaktion und den umfangreichen Eigenleistungen, war diese Maßnahme am Ende nur durch eine Bürgschaft von 10 Vereinsmitgliedern zu realisieren.
Während der Baumaßnahme mussten unsere Seniorenfußballer nach Dietenhausen ausweichen, der gesamte Jugendfußball wurde in dieser Zeit in Mönstadt und Heinzenberg abgewickelt. Für den Trainingsbetrieb musste der Sportplatz in Naunstadt benutzt werden. Mit unserem Sportplatz verfügen wir über eine schmucke Anlage, die zu den schönsten im Umkreis von Usingen gehört.
Im Jahr 2005 stellte leider die eng mit dem TSV 08 verbundene SOMA Naunstadt ihren Spielbetrieb ein. Mangels fehlender Spieler hatte bereits seit einigen Jahren kein regelmäßiger Spielbetrieb mehr stattgefunden.
Die Entwicklung und Erfolge unserer einzelnen Abteilungen sind überwiegend sehr erfreulich:
Die Fußballabteilung unter ihrem Abteilungsleiter Alberto Alcaide und seinem Spielausschussvorsitzenden Bernhard Lindner, den Spielausschussmitgliedern Harald Geis, Thomas Eckert und Andreas Romahn konnte mit der von Alexander Geis trainierten Mannschaft im Jahr 2007 den Meistertitel in der Kreisliga B feiern. Erfreulich ist, dass mit Kevin Lindner und Daniel Messerschmidt zwei Eigengewächse des TSV zum Kader gehörten.
Die Tischtennisabteilung unter der Leitung von Holger Milk (seit 1993) und Jens Herrmann spielt sehr erfolgreich in der Bezirksklasse. Die Anzahl der Jugendlichen und Schüler ist stetig gewachsen und im Jahr 2008 werden die ersten Jugendlichen seit über 15 Jahren in den Seniorenbereich aufrücken.
Unsere Gymnastikabteilung unter der Abteilungsleiterin Karin Pauly führt ihre Zuwachsrate dank neuer Angebote, die von qualifizierten Trainern geleitet werden, von Jahr zu Jahr weiter und ist unsere Abteilung mit den meisten aktiven Mitgliedern. Unser vielfältiges Angebot wurde mit dem Qualitätssiegel "Sport-Pro-Gesundheit" des Landessportbundes ausgezeichnet. Das Mutter-Kind-Turnen und das Kinderturnen sind nach wie vor ein fester Bestandteil. Die Fun-Sport Gruppe von Bianca Grünewald erfreut sich großer Beliebtheit.
Die von Alexandra Nawin geführte Abteilung Lauftreff macht durch sportliche Erfolge auf Hessen- und Bundesebene auf sich aufmerksam.
Unsere Fun-Ju-Abteilung mit ihrem Abteilungsleiter Rudi Baues hat nach einem wahren Boom zu Beginn zurzeit einen Mitgliederschwund, insbesondere im Erwachsenenbereich, zu verkraften.
Unsere Tanzabteilung mit der engagierten Abteilungs- und Übungsleiterin Petra Niehus hat im Jahr 2007 nach einigen Irritationen innerhalb der Abteilung einen Neuanfang gemacht. Begeisterte Tänzer sind herzlich willkommen.
In allen Sparten des Sports, die in unserem Verein ausgeübt werden, wird fleißig trainiert. Viele schöne Erfolge wurden errungen, und wenn manchmal in Wettbewerben die Erwartungen nicht dem Einsatz entsprachen, so ließen sich unsere Sportler doch nicht entmutigen.
Seit 100 Jahren arbeitet unser Verein an der körperlichen und geistigen Entwicklung unserer Jugend in Sport und Spiel und gemeinschaftsfördernden Veranstaltungen. Durch die vielfältigen Einsätze und Tätigkeiten aller Art, hat er sich einen besonderen Platz in unserer Dorfgemeinschaft erworben und ist auch in Zukunft nicht wegzudenken. Der TSV 08 ist mit über 700 Mitgliedern der größte Verein in Grävenwiesbach. Dies alles ist Verpflichtung, die lange Tradition, auch als Kulturträger in das nächste Jahr zu tragen. Unser Jubiläumsfest im Jahr 2008 soll allen Grävenwiesbachern und Gästen zeigen, dass wir uns mit viel Mut und Engagement den Anforderungen der Zukunft stellen und die Mitarbeit in ehrenamtlichen Funktionen des Vereins das Erreichen großer Ziele ermöglicht.

